Ein Statement zu freier Software und warum sie wichtig ist

Haben Sie sich schon einmal Gedanken über die Software gemacht, die Sie einsetzen?

Wenn Sie einen neuen Computer erwerben ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auf ihm mit Microsoft Windows und Microsoft Office kommerzielle Software vorinstalliert ist. Möglicherweise haben Sie sich darüber noch nie Gedanken gemacht. Es lohnt es sich jedoch genauer über das Betriebssystem nachzudenken, welches man einsetzt.

Microsoft Windows sowie macOS von Apple ist zum Großteil proprietäre, kommerzielle Software. Dadurch ergeben sich für Endbenutzer und Entwickler einige Nachteile. Um sie zu verstehen muss ich ein wenig ausholen.

Was ist der Quelltext und was sind Binärdateien?

Wenn man Software entwickelt muss man dem Computer in einer ihm verständlichen Form die gewünschten Arbeitsabläufe (Algorithmen) darlegen. Der Entwickler formuliert diese Anweisungen in Form einer Programmiersprache - es entsteht der Quelltext (engl. Sourcecode) eines Programmes. Der Quelltext ist für Menschen verständlich, aber nicht für den Computer. Um das Programm benutzen bzw. ausführen zu können muss es mithilfe eines Compilers kompiliert werden. Es ensteht als Ergebnis die Binärdatei eines Programmes, welche direkt auf einem Computer gestartet/ausgeführt werden kann. Unter Windows sind sie als *.exe-Dateien bekannt. Diese Binärdateien kann der Mensch jedoch nicht (einfach) verstehen bzw. analysieren.

Was ist an kommerzieller Software von Nachteil?

Kommerzielle Software wird von Unternehmen entwickelt und an Kunden verkauft. Der Kunde erhält dabei nur die Binärdateien, jedoch nicht den Quelltext. Dieser wird meist als "Betriebsgeheimnis" unter Verschluss gehalten. Das bedeutet, dass der Endbenutzer die genauen Arbeitsabläufe der Software nicht nachvollziehen kann. Er vertraut dem Hersteller, dass die Software keine Hintertüren, Spionagefunktionen oder andere ungewünschte Funktionen enthält.

Freie Software macht alles besser?

Im Gegensatz zu kommerzieller Software existiert freie Software. Es ist wichtig anzumerken, dass sich das Wort "frei" nicht primär auf den Preis bezieht - freie Software kann durchaus Geld kosten. Es geht hierbei um die Freiheit, die sie den Benutzern gibt. Das bedeutet, man hat das Recht, den Quelltext einzusehen und die Software nach seinen Vorstellungen zu verbessern oder anzupassen. Die meisten Lizenzen besagen, dass vorgenommene Änderungen ebenfalls publiziert werden müssen. Dadurch profitiert die Allgemeinheit und Entwickler können Erkenntnisse auf andere Projekte übertragen, ohne das Rad neu erfinden zu müssen. Zudem können durch mehr Augen, die den Quelltext sehen, Sicherheitslücken schneller entdeckt und behoben werden.

Des Weiteren setzt freie Software auch auf freie Standards zum Datenaustausch, welche von verschiedenen Programmen gelesen werden können. Dadurch kann der Anwender frei entscheiden, welche Software er einsetzt. Die Dateiformate, die von kommerzieller Software produziert werden, sind oftmals nicht dokumentiert.

Was ist das Problem an kommerzieller Software?

Durch kommerzielle Software entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis mit dem Hersteller. Diesen Effekt nennt man "Vendor Lock-In": viele Programme sind z.B. nur unter Windows lauffähig. Dadurch haben die Benutzer, welche diese Programme einsetzen wollen, keine Wahl und müssen Windows einsetzen. Das versetzt den Hersteller in die Lage Preise und Funktionen (Stichwort Telemetriedaten und Cloudzwang) zu diktieren. Dies ist vor allem kritisch, wenn es um öffentliche Einrichtungen wie Behörden geht.

Heuzutage sind Computer in fast allen Bereichen des alltäglichen Lebens nicht mehr wegzudenken und steuern wichtige Prozesse des Alltags. Wir dürfen uns deshalb nicht von einigen wenigen großen Unternehmen abhängig machen. Echte digitale Souveränität ist nur mit Open Source-Software möglich.

Warum ist freie Software nur so gering verbreitet?

Das ist zunächst einmal nur ein Eindruck, welcher bei Endnutzern teilweise verbreitet ist: als Serverbetriebssystem, vor allem bei Webservern, läuft Linux Windows den Rang ab. Sie kommen also täglich zumindest indirekt mit Linux-Systemen in Kontakt, wenn Sie eine Webseite aufrufen, die auf einem Linux-Server gehostet wird. Außerdem ist der Linux-Kernel der solide Unterbau von Android und vielen IoT-Geräten.

Freie Software wird oft von Freiwilligen entwickelt und durch Spenden finanziert. Es ist schlicht kein Geld vorhanden für großartige Werbeaktionen und vielen Menschen ist die Problematik mit kommerzieller Software einfach nicht bewusst. Sie sehen nur einen "Mehraufwand", der auf sie zukommt, da sie sich mit den "anderen" Programmen möglicherweise erst vertraut machen müssen. Bei Umsteigern können also Schulungen notwendig sein. Wichtig zu verstehen ist, dass diese Schulungen gut angelegtes Geld sind, um vor allem auf Lange Sicht nicht einer willkürlichen (Preis-)Politik der Hersteller ausgesetzt zu sein. Leider wird bei der Beschaffung von Software oftmals zu kurzfristig gedacht ("die Lizenzen sind ja billiger als Schulungen").

Freie Software lebt vom Engagement der Menschen die sie verwenden. Diese Philosophie steht im Kontrast zu kommerzieller Software, wo die Verantwortung um das Produkt ausschließlich beim Hersteller liegt. Im Optimalfall verwenden Sie freie Software nicht nur, sondern tragen aktiv zur Entwicklung bei. Das fängt bereits im Kleinen an: wenn Sie bei der Benutzung einen Bug finden melden Sie diesen bitte den Entwicklern! Durch die kollektive Beteiligung vieler Entwickler, Benutzer, Community-Manager, Übersetzer etc. kann ein großartiges Produkt entstehen, welches kommerzieller Software in nichts nachsteht.

Ich habe Linux ausprobiert, komme aber nicht zurecht!

Linux oder andere freie Softwareprojekte wie LibreOffice sind, wie jede andere Software auch, alles andere als perfekt. Ebenfalls haben zum Beispiel Linux-Distributionen nicht den Anspruch ein Windows-Ersatz zu sein - es gibt grundlegende konzeptionelle Unterschiede zwischen den Systemen.

Freie Softwareprojekte können erst einmal keinen Support anbieten, wie man es von Herstellern kommerzieller Software kennt. Es gibt aber sehr wohl Dienstleister, welche professionallen Support für Open Source-Software anbieten. Und es gibt Communities im Internet, die gefühlt jedes Problem schon einmal gelöst haben. Man findet auf alle Fragen die den Heimbenutzer betreffen eine Antwort, indem man eine Suchmaschine befragt.

Freiheit bedeutet auf eigenen Beinen zu stehen, und das ist eben nicht immer so bequem wie von einem Unternehmen umworben zu werden. Zu freier Software wird man nicht gedrängt, sondern muss selbst aktiv werden.